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Kirchenmusiker

 

Jürgen Trinkewitz wurde in Regensburg geboren. Er absolvierte ein Musiklehrerstudium mit den Instrumenten Orgel (Wolfgang Meyer) und Cembalo (Gerhard Kastner ) sowie ein Hauptfachstudium „Historische Tasteninstrumente“ an der Universität der Künste (damals HdK), Berlin bei Mitzi Meyerson und betrieb weitere Studien im Fach Cembalo bei Jacques Ogg in Amsterdam. Viele Jahre erhielt er Unterricht im Orchesterdirigieren bei Alexander Gelovani. 2004 promovierte Jürgen Trinkewitz im Fach Musikwissenschaft an der Universität Greifswald bei Prof. Matthias Schneider zum Dr. phil., wo er auch von 2006–2008 einen Lehrauftrag hatte. Von 2011 bis 2013 unterrichtete er als Lehrbeauftragter an der UdK Berlin. Jürgen Trinkewitz arbeitet als Kirchenmusiker der Ev. Weihnachtskirchengemeinde Berlin-Haselhorst und ist seit 1988 als Lehrer für Klavier, Orgel und Historische Tasteninstrumente an der Musikschule Fanny Hensel Berlin-Mitte tätig. Er konzertiert als Cembalist und Organist und spielte diverse CD-Produktionen bei querstand, Altenburg ein. Seine Tätigkeit als Musikwissenschaftler, Autor und Herausgeber ergänzt sein Betätigungsfeld. 2009 erschien sein Lehrwerk „Historisches Cembalospiel“ im Carus-Verlag, das sich einerseits mit den spielpraktischen Grundlagen des Instrumentes beschäftigt (Anschlag, Ornamentik, Applikaturen etc.) und andererseits umfangreich die aufführungspraktischen Grundlagen der Tastenmusik des 17. bis zum frühen 19. Jahrhunderts reflektiert.

 

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VERÖFFENTLICHUNGEN


1995 Autor des Artikels über Spieltechnik des Cembalos sowie Repertoire des 20. Jh. für die neue Edition der Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel

1997 CD-Produktion (Leçons de ténèbres) mit dem Ensemble la voce umana sowie Cembalomusik bei querstand, Altenburg VKJK 9801

1998 Herausgeber und Generalbassaussetzer bei Breitkopf und Härtel (Deutscher Verlag für Musik, Leipzig)

2001 CD-Produktion (Mi palpita il cor) mit dem Ensemble la voce umana sowie Cembalomusik bei querstand, Altenburg VKJK 0010

2002 Filmmusik für den Dokumentarfilm Ich kann das schon, eine Produktion im Auftrag des ZDF (Arte), Regie: Heide Breitel

2003 Autor des Artikels über Hans Helfritz für die neue Edition der Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG) Kassel

2003 CD-Produktion (Europe) mit dem Ensemble la voce umana sowie Cembalomusik bei querstand, Altenburg VKJK 0212

2005/06 Mitarbeit als Autor des Lexikon der Orgel beim Laaber-Verlag, Laaber

2005 Artikel im Magazin für Alte Musik „Concerto“, Köln: Clavier- und Kompositionsunterricht im 18. Jahrhundert oder: Was man aus alten Instrumentalschulen lernen kann

2007 Herausgeber des Traktates Manuductio ad organum von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim

2007 Aufsatz in den Mitteilungen (15 2007) der Internationalen Max Reger Gesellschaft: Max Regers Meininger Schützenhaussaal-Orgel

2008 Artikel im Magazin für Alte Musik „Concerto“, Köln: Ein Lamento im Kontext der habsburgischen Memorialkultur

2008 Artikel im Journal „organ“ (1 08), Mainz: Sub-Baß & Fagott wanns Tutti geht (Aufführungspraktische Aspekte in J. B. Sambers „Manuductio ad organum“ und „Continuatio ad manuductionem organicam“)

2009 Herausgeber des Traktates Continuatio ad Manuductionem organicam von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim

2009 Kommentierte Herausgabe des Traktates Elucidatio Musicae choralis von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim

2009 Artikel in „Ars Organi“ (57. Jhg.· Heft 1· März 2009): Max Regers Meininger Schützenhaussaal-Orgel

2009 Historisches Cembalospiel. Ein Lehrwerk auf der Basis von Quellen des 16.–19. Jahrhunderts. 2 Bände, Carus-Verlag, Stuttgart 2009

2009 Kommentierte Herausgabe der Choralvorspiele op. 104 von Arnold Ludwig Mendelssohn bei der Edition Peters

2009 Kommentierte Herausgabe des Traktates Elucidatio Musicae choralis von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009

2010 Trauervokabular und offene Strukturen in französischer Cembalomusik des 17. Jahrhunderts. Allemande, Prélude non mesuré und Tombeau sowie die deutsche Rezeption bei Johann Jacob Froberger in: Daphnis, Zeitschrift für Mittlere Deutsche Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 38· 2009 Heft 3· 4, S. 647–673

2011 Rezension in Baltische Studien (Pommersche Jahrbücher für Landesgeschichte) Neue Folge Bd. 96, Kiel 2011, S. 126–127

2015 Kommentierte Neuherausgabe des Album für die Jugend op. 62 von Xaver Scharwenka im Canticus-Verlag, Hamburg

2019 Artikel in üben & musizieren (4_19, Schott, S. 27–31): Körperbewußtsein schulen Alltagsmaterialien als ergonomische Hilfsmittel im Klavierunterricht

 

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CD-PRODUKTIONEN

 

Leçons de Ténèbres

Lalande: Troisiéme Leçon fis-moll Lalande: Troisiéme Leçon du Jeudi Froberger: Allemande aus der SUITE XX in D "Meditation, Faite sur ma mort future, la Quelle se joue lentement avec discretion" "NB Memento Mori Froberger" Lalande: Troisiéme Leçon du Vendredy

La voce umana: Gabriele Näther (Sopran), Niklas Trüstedt (Viola da gamba) & Jürgen Trinkewitz (Cembalo)

Im Frankreich des 17. Jahrhunderts waren in der Karwoche weltliche Musikveranstaltungen verboten. Statt dessen begannen einzelne Klöster und Kirchen, die Matutin-Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag musikalisch auszugestalten. Die Gottesdienste wurden jeweils auf den Nachmittag des vorhergehenden Tages vorverlegt. Bei diesen Leçons de Ténèbres ("Lesungen der Finsternis") wurden die Kerzen nach und nach ausgelöscht, um den Gottesdienst schließlich in völliger Dunkelheit enden zu lassen - Christi völlige Verlassenheit symbolisierend. Die Liturgie für diese Gottesdienste, die nach dem Konzil von Trient (1548-1563) relativ feste Strukturen erhielten, wurden von zahlreichen großen Komponisten, u.a. Palestrina, di Lasso, Charpentier und eben auch Michel Richard de Lalande vertont. Von letztgenanntem sind nur drei seiner mindestens neun Leçons erhalten, die auf dieser CD von La voce umana beeindruckend umgesetzt werden.
Ergänzend zu den Leçons sind eine Pavane von Louis Couperin, sowie eine Lamento-Allemande von Johann Jacob Froberger eingespielt - beides Beispiele für französisch orientierte Trauermusik des 17. Jhs.

querstand VKJK 9801

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Mi palpita il cor

Händel: Mi palpita il cor HWV 132a Scarlatti: Sonate A-Dur, K. 208 - Sonate a-moll, K. 149 Händel: Nice, che fa? HWV 138 Geminiani: Sonate III C-Dur für Violoncello und Basso Continuo Händel: Dolce pur d‘amor l‘affano HWV 109b Scarlatti: Sonate F-Dur K. 82 L. 30 Händel: Lucrezia

La voce umana: Gabriele Näther (Sopran), Joachim Fiedler (Barockcello), Jürgen Trinkewitz (Cembalo)

Vom Prinzen Ferdinando de Medici wurde Händel 1706 nach Florenz eingeladen. Italien blieb für den Komponisten der bestimmende, inspirierende Einfluß seines Lebens. Er lernte alle bedeutenden Komponisten der Zeit kennen, so Corelli, Vivaldi, Caldara, Pasquini und die beiden Scarlattis. Der große Durchbruch gelang Händel in Rom. Dort wurde er vom Prinzen Ruspoli als eine Art „freier Komponist“ angestellt. Für Ruspoli entstanden vielleicht auch einige der hier eingespielten Kantaten.
Die Kantate war die wichtigste Gattung ihrer Zeit, zumal in Rom, wo der Papst die Aufführung von Opern gänzlich verboten hatte – sicherlich auch für Händel ein bitterer Schlag, erhoffte er sich doch gerade von der Oper neuen Ruhm. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß ausgerechnet in den Palazzi der reichen Kardinäle Ottoboni und Pamphili die Kantaten als Mini-Opern aufgeführt wurden. Händel komponierte aber auch hybride Kantatenformen aus Serenata, Oratorium und Oper mit mehreren Stimmen und Orchesterbegleitung, die den eigentlichen Opern substantiell wohl kaum nachstanden. Er soll mehr als 150 Kantaten in Rom geschrieben haben, wovon immerhin 100 erhalten sind und die immer noch in ihrer Bedeutung unterschätzt werden.
Ganz sicher sind die hier eingespielten Kantaten während Händels Italienaufenthalt entstanden. Dabei ist nicht geklärt, ob sie eher in Florenz oder in Rom komponiert wurden. Von "Lucrezia" nimmt man eher an, daß sie in Florenz geschrieben wurde, auch weil der Kompositionsstil mit seinen starken rhetorischen Ausdrucksmitteln noch stark an die deutsche Traditio der Kirchenkantaten erinnert. Allerdings ist gerade diese Kantate in jeder Beziehung so originell, selbst im Vergleich mit den späteren Opern Händels, daß eine rein stilistische Einordnung eher verfehlt scheint.
Während für den heutigen Hörer Vivaldi und Corelli die führenden Komponisten des italienischen Hochbarock sind, war für die Zeitgenossen Francesco Geminiani diesen beiden mindestens ebenbürtig. Anläßlich einer Reise nach Paris wurden 1746 seine "6 Sonaten für Violoncello und Continuo op. 5" veröffentlicht. In den französischen Zügen der C-Dur-Sonate, etwa in der Sarabande des Affetuoso, könnte man durchaus auch als Verneigung vor dem Pariser Publikum verstehen.
Verblieben die Vokalwerke Domenico Scarlattis eher in den Konventionen des sanktionierten Sakralstils, so war der Cembalokomponist Scarlatti ein erfinderisches Genie, das die Klaviertechnik im 18. Jh. entscheidend erweiterte. Man kann bei den Sonaten zwei Hauptrichtungen erkennen, die beide beispielhaft auf der CD vertreten sind: Zum einen gibt es Sonaten, die dem Prinzip der Tanzphrase gehorchen und oft von folkloristisch-spanischen Tänzen beeinflusst sind. Die zweite Richtung, oft mit "cantabile" überschrieben, ist ganz dem menschlichen Atem, dem Gestus des Liedes verpflichtet. Während die schnellen Stücke häufig virtuosen Glanz und neue cembalistische Techniken entfalten, loten die langsamen Sonaten vielfach die gesamte Breite menschlicher Gefühle jenseits der barocken, standardisierten Affektsprache seiner Zeitgenossen aus.

querstand VKJK 0010

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Europe

de Boismortier: I. Sonate pour un Clavecin et une Flûte Traversiere de Montéclair: Le Triomfe de la Constance - Cantate à voix seule avec une Viole Royer: Pièces de Clavecin Anonymus (MS Humeau 1): Prélude in C de Montéclair: Europe - Cantate à voix seule avec une Flûte Leclair: Sonata VIII à Trois, avec un Flûte Allemande, une Viole et Clavessin (Triosonate D-Dur op. II No. 8)

La voce umana: Gabriele Näther (Sopran), Andrea Theinert (Traversflöte), Sylvia C. Rosin (Blockflöte), Friederike Däublin (Viola da gamba), Günter Mach (Muselaar), Jürgen Trinkewitz (Cembalo)

Die Idee eines glücklichen Landlebens mit Schäfern und Schäferinnen, deren einziger Zeitvertreib die Liebe zu sein schien, war eine sehr häufig dargestellte Vision zahlloser Kompositionen der Barockzeit. Die pastoralen Musikwerke entwickelten sich seit der Herrschaft Ludwigs XIV. auch in Frankreich zu einer regelrechten Manie - obwohl die Realität des Lebens der Schäfer völlig anders aussah.
Ganz der pastoralen Sphäre ist die hier eingespielten Sonate für Flöte und konzertierendes Cembalo von Joseph Bodin de Boismortier zuzuordnen.- Michel Pinolet de Montéclair hatte auf seinen Reisen nach Italien den italienischen Stil kennengelernt, wie man deutlich an seinen Solokantaten erkennen kann, die sich elegant zwischen Italien und Frankreich bewegen. Joseph-Nicolas Pancrace Royer führte die französische Cembalomusik zu einem klanglichen und virtuosen Extrem, das nicht mehr übertroffen werden sollte. Bei seinen Operntransskriptionen für Cembalo entwickelte er Spieltechnik und Klangeinsatz so weit, dass man fast glaubte, tatsächlich einer Opernaufführung beizuwohnen, was ganz besonders für die hier eingespielte Pìece "Le Vertigo" zutrifft. Den Abschluss der CD bildet Jean-Marie Leclairs Triosonate D-Dur, die sich behende zwischen italienischem und französischem Stil bewegt.

querstand VKJK 0212